Wussten Sie schon, dass einige Hornbosteler Schulkinder früher einen erheblich kürzeren Schulweg hatten - die Schule lag dort, wo heute die ev. Kirche steht - als beispielsweise die Kinder unserer Wietzer Bauern? (mehr)

Thomas Harms

Celler Typ: Thomas Harms
„Das war für mich wie fliegen“
(Von Lothar H. Bluhm, CZ, 06.01.2010)

Ob Weilburg, Limburg oder Darmstadt, ob Münster oder Bremen: Der Bass Thomas Harms fühlt sich auf den Bühnen wohl. Unterricht in Barcelona oder im Odenwald, ein Spontanauftritt in Orlando oder das feste Engagement am Stadttheater Bremen geben ihm die Kraft zu Auftritten.
Lebenslauf
  • 1962 auf Norderney geboren, in Ceile aufgewachsen, Besuch der Neustädter Schule und der Realschule "Auf der Heese"
  • Mitglied der Stadtkantorei unter Götz Wiese
  • 1978 Umzug mit den Eltern nach Weilburg
  • 1984 Ausbildung zum Maschinenschlosser, anschließend Studium Maschinenbau an der Fachhochschule Friedberg, Mitglied der Kreismusikschule Limburg, Gesangsunterricht bei Renate Gzesla in Limburg
  • 1985 Vorsingen an der Hochschule für Musik urd Darstellende Kunst Frankfurt
  • 1986 Gesangsstudium an der Hochschule Darmstadt
  • 1993 Diplomierter Opernsänger/Bass
  • Engagement am Staatstheater Darmstadt Besuche in Barcelona
  • 1996 Gesangsunterricht bei Christa Maria Ziese-Lüdecke n Schönau (Odenwald)
  • 1997 Engagement am Stadttheater Münster
  • Auftritt in Orlando (USA)
  • 1998 Engagement am Theater Bremen (zurzeit beurlaubt)
  • 2006 Auftritt im Dorfhaus Wieckenberg
  • anschließend 2007 Hochzeit mit Katrin Wahl
  • Thomas Harms ist Mitglied im Ortsrat Wieckenberg
WIECKENBERG. Für die 93-jährige Wieckenbergerin Gerda Krüger steht schon lange vollkommen fest, dass ihr Nachbar Thomas Harms zu ihrer Beerdigung „Dein ist mein ganzes Herz“ singen soll. Das wäre ihr höchstes Glück. Schließlich sei er ausgebildeter Opernsänger und habe eine famose Stimme, lobte Gerda Krüger kürzlich den 47-jährigen Zweizentnermann. Und der empfindet es als Ehre, seiner Nachbarin ihren letzten Willen erfüllen zu dürfen. Er hoffe nur, dass das nicht so schnell passieren wird. Man wolle natürlich noch lange Haus an Haus in Wieckenberg wohnen.

Treffen im Französischen Garten

Wobei er eher zufällig in den Wietzer Ortsteil mit der berühmten Stechinellikapelle kam, denn eigentlich war er krank und erschöpft, als er 2006 zu einer Abschiedsfeier in das Wieckenberger Dorfhaus eingeladen wurde. Er kam aber trotzdem. Die Bitte an den sechsjährigen Gero, er solle sich nicht gleich wieder dreckig machen, fand dabei das Interesse des großen Mannes: Er fühlte sich in seine Kindheit versetzt und sprach mit Geros Mutter Katrin über die ausgesprochene Bitte, die wie eine Order wirkte. Man verabredete sich für den nächsten Tag im Französischen Garten. Ein Jahr später wurde geheiratet.

Heute hilft Thomas Harms Gero bei den Mathehausaufgaben. „Wir mögen uns“, beschreibt er das Verhältnis zu seinem Stiefsohn. Mit Zahlen kennt er sich gut aus. Das wird auch deutlich, wenn er für sein Betriebswirtschaftsstudium an einem Institut für Erwachsenenbildung in Kiel büffelt. Die neuen Kenntnisse seien ihm sehr wichtig für seine neue Aufgabe, das Altenpflegeheim seiner Frau wirtschaftlich gesund zu erhalten. Immerhin hängen etliche Arbeitsplätze an dem Familien-Unternehmen, das sich um 65 alte und pflegebedürftige Menschen kümmert. – Manchmal empfinde er es als unwirklich: „Du lebst jetzt wieder hier“, sagt Harms und macht auf den kreisförmigen räumlichen Wandel in seinem Leben aufmerksam. Norderney – Celle – Limburg – Münster – Bremen – Celle. Das Singen fehle ab und zu schon, gesteht der große, kräftige Mann mit der voluminösen Stimme, die den Zuhörer vibrieren lässt: „Ich muss immer Theaterluft riechen!“

Demnächst sei zu entscheiden, wie es weitergehen soll und was gemacht wird. „Der persönliche Kontakt ist elementar für die Arbeit“, und das Sabbatjahr sei eine Chance, sich möglicherweise neu zu organisieren, findet der ausgebildete Opernsänger, der zu dem Zeitpunkt, als er seine Frau kennen lernte, ein festes Engagement am Theater in Bremen hatte. In Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni und Richard Wagners Tannhäuser brillierte er ebenso wie in den Serastro-Arien oder im Sommernachtstraum.

Spontanauftritt in Florida: Konzert vor 1000 Menschen

„Das hat mich ins Laufen gebracht“, fasst Thomas Harms zusammen, was er 1997 bei seinem Onkel Henry in Orlando erlebte. Nachdem ihn sein Onkel gefragt hatte, was er mache und er sagte, er könne singen, machte ihm Onkel Henry Mut: „Wenn Du singen kannst, dann singe!“ Rasch war ein eigenständiges Konzert organisiert. 1000 Leute kamen – und waren begeistert. „Das war für mich wie fliegen“, erinnert sich Harms auch heute noch an seinen Spontanauftritt in Florida: „Der Knoten war geplatzt!“ Das habe er der amerikanischen Mentalität zu verdanken. „Das war unglaublich“, schüttelt er auch heute noch seinen Kopf. „Wie Vögel, die entdecken, fliegen zu können“, zeichnet der Sänger ein Bild seiner Entwicklung. „Ich war plötzlich beflügelt.“ Er merkte in Orlando, dass da etwas im Hals sei, was er nutzen konnte. Und mit dieser großen Freude sei er nach Hause geflogen und wusste, jetzt geht’s los. Verträge mit den Häusern in Münster und Bremen folgten. Dabei hat Harms schon viel früher gelernt, was es heißt, zu singen.

In der Celler Kinderkantorei lernte er bei Götz Wiese singen. „Das war ein ungeheures Erlebnis für mich als damals Sechsjährigen, in der Matthäus-Passion mitzusingen.“ Seine Mutter Christa Harms habe ihn immer ermuntert. Und auch Musiklehrer Lagemann in der Realschule Auf der Heese zeigte ihm, dass er singen konnte. „Ich habe immer Musik gemacht.“ Auch als die Familie später nach Weilburg umzog, machte ihm der Celler Chorleiter Johannes Ross Mut: Ihr kommt in eine Gegend, in der viel gesungen wird, habe Ross damals gesagt.

Nach der Schule begann er eine Lehre als Maschinenschlosser. Sein Vater hatte sich das so gewünscht. Das anschließende Studium beendete Harms aber vorzeitig, um zu singen. Bei der Sopranistin Renate Czesla nahm er schon in Limburg Gesangsunterricht. Und weil ihn seine Lehrerin förderte, erhielt er eine Einladung zum Vorsingen beim Kontakttag der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Das war im August 1985. „16.30 Uhr – Harms“, erinnert sich Harms an die spärliche Liste an der Tür zu dem Forum, in dem er bei Prof. Gerhard Meyer vorsang. Er kam seinem eigenen Berufswunsch Musiker immer näher. Schließlich spielte er auch schon seit seinem achten Lebensjahr Querflöte.

Ein Jahr später studierte er Gesang an der Hochschule Darmstadt. Operngesang, Bühnentanz, Harmonielehre, Italienisch, Methodik, Physiologie – das Spektrum war breit. „Gesang hat viel mit Körperlichkeit zu tun. Mit Körperlichkeit und mit Vertrauen“, hat er schon.

José Carreras und Montserrat Caballé damals gelernt

Das bestätigte sich auch einige Jahre später, als er in Barcelona Unterricht bei Jaime Francesco Puig, dem Freund von José Carreras und Lehrer der Montserrat Caballé, bekam: „Das war unglaublich spannend und unglaublich prägend“, fasst Harms seine Besuche in Spanien zusammen. Erst später lernte er von der Kammersängerin Christa-Maria Ziese-Lüdecke im Odenwald, dass singen auch arbeiten ist. „In diesem halben Jahr hat mir Frau Ziese-Lüdecke unerhört viel Rüstzeug mitgegeben.“ Das habe ihn ermuntert, bei verschiedenen Theatern und Opernhäusern vorzusingen. – Dennoch gelte es für ihn jetzt zu entscheiden: Bühne in Bremen oder Pflegeheim Wahl in Wietze. Erst vorletzte Woche hat er hier gesungen und das Publikum begeistert.

Wussten Sie schon, dass der NDR 2008 im Erdölmuseum zu Gast war? (Download zum Nachhören)