Erinnern Sie sich noch an den Schlagbaumkrieg mit Fuhrberg?

Günter Hennig

Mein Reich ist der Schuppen 20
(Von Lothar H. Bluhm, CZ, 07.09.2010)

Günter Hennig hat in seinem "Schuppen 20" unzählige Andenken und Trophäen aus seiner aktiven Zeit im Schützenverein…
Foto: Torsten Volkmer

Für den Schützenverein in Wietze bedeutet Günter Hennig (* 8.7.1930) eine Ära. Seit 1960 sei er als Schießsportleiter immer auf dem Schießstand gewesen, heißt es, und seine Kinder seien fast auf dem Schießstand groß geworden, sagt er selber. Für die 60-jährige Mitgliedschaft wurde er neulich geehrt. Unzählige Pokale, Plaketten, Orden und Urkunden lassen kaum einen Blick auf die Tapete in seinem Zimmer zu. „Schuppen 20“ nennt Hennig sein Reich – in Anlehnung an die Schuppen im Hamburger Hafen, in dem er viele Jahre auf Montage war.

WIETZE. „Uschi, wann waren wir in Schottland“, fragt Günter Hennig aus seinem „Schuppen 20“ in die Küche. „2000“, kommt schnell zurück. „2000“, wiederholt Hennig die Jahreszahl, als er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Ursel Jahn mit dem Bus durch Schottland fuhr. Durch den Tunnel des Ärmelkanals, durch London, nach Edinburgh. „Und auf dem Loch Ness sind wir herumgeschippert“, erinnert sich Hennig. Und er erinnert sich auch daran, dass damals die Probleme mit seinen Füßen auftraten. Danach musste er sich mehrfach operieren lassen. Doch, das sei aber insgesamt ein sehr schöner Urlaub gewesen. Er höre die Dudelsackmusik halt sehr gern.

Mit Heidjerplatt in Tirol bei den „Brixentaler“

Na ja, und Blasmusik natürlich auch. Die „Brixentaler“ hätten vor Jahren mal während eines Schützenfestes in Wietze gespielt, man lernte sich kennen und Familie Hennig machte Urlaub beim
Gitarristen Jakob. „Zehnmal haben wir in Kelchsau in Österreich unsere Ferien verbracht“, zeigt Hennig auf die kleinen Präsente, die sie als treue Urlauber erhalten haben.

„Schön war auch, dass da auch Urlauber aus anderen Gegenden waren“, weiß Hennig noch heute, dass er Heidjerplatt gesprochen hat und dass andere Gäste die Kölner Mundart beherrschten. „Naja, und die Tiroler snacken ja sowieso noch wieder anders …“ Man sei immer mit dem Zug gereist, denn Günter Hennig hat keinen Führerschein.

Trotzdem hat er aber viel von Deutschland gesehen: „Von Bayern nach Schleswig-Holstein und von Berlin bis ins Rheinland.“ Überall habe er Drahtzäune, Ziergitter und Balkonbrüstungen aufgebaut. „Da habe ich Deutschland wirklich kennen gelernt!“ Und immer hat er die Zweier- oder Dreierteams auch bei schwierigsten Straßen- und Verkehrsverhältnissen sicher navigiert. Sicher und bestimmt: Wenn er seinem Fahrer Alfred sagte, er solle links abbiegen, um nach Düsseldorf zu gelangen und Alfred fuhr nach rechts, so faltete Günter Hennig die Landkarte sorgfältig zusammen und überließ das Kartenlesen dem Fahrer. „Mit Walter klappte das immer prima.“

Mutter Marie sagte Nein: „Junge, du bliwwst hier!“

Hennig gab immer gern die Richtung vor. Dabei sagte einmal seine Mutter Marie ein deutliches Nein: „Junge, du bliwwst hier“, verweigerte sie ihm, mit gepacktem Tornister in Oldau in die Bahn Richtung Celle zu steigen, um sich dem Militär zu stellen. „Das war mein Glück, denn etliche meiner Schulkameraden kamen nicht mehr zurück …“ Als Hitler-Junge wäre er sicher losmarschiert, um sich in der Kaserne zu melden.

Statt dessen konnte er eine Betriebsschlosserausbildung in der Lehrwerkstatt der DEA in Wietze machen. Und nach dem Krieg fand er eine Anstellung bei dem Hambührener Drahtzaunhersteller: „Das hat immer Spaß gemacht.“ Er sei viel unterwegs gewesen, auf Montage, ob im Hamburger Hafen oder im Rheinland. Und in der Freizeit habe er schon immer Freude am Schießsport gehabt. Schon als 20-Jähriger war er dabei, als in Oldau der Schützenverein reaktiviert wurde. Wenig später leitete er die Jugendgruppe des Vereins. Nach dem Umzug nach Groß Hehlen wurde er dort aktiv: „Da habe ich mit dem Sportschießen angefangen.“
Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften wurden ausgetragen. „Mit der Mannschaft wurden wir einmal Dritte.“ Luftgewehr und Kleinkaliber wurden wettkampfmäßig geschossen. „Man entwickelt ja dann den Ehrgeiz, besser zu sein wie andere“, beschreibt Hennig ein Motiv. Logisch, dass er nach seinem Umzug auch im Wietzer Schützenwesen schnell Fuß fasste.

Nadeln, Spangen und Orden im „Schuppen 20“

„Bis 165 war ich schon“, verzweifelte vor Jahren einmal Hennigs Neffe Stephan, als der sich hingesetzt hatte, um die Nadeln, Orden und Abzeichen, Plaketten und Urkunden zu zählen. Er gab auf, als er immer wieder unterbrochen wurde. Mehr als doppelt so viele Beweise für die große Freude am Schießen sind im „Schuppen 20“ zusammengetragen worden. Im „Schuppen 20“ im Siedlungshaus, das Großvater Ferdinand 1908 in der Ernst-August-Straße gebaut hat. „Irgendwo musst du die ja lassen …“ Das jüngste Stück ist die Urkunde des Schützenvereins Wietze zur 60-jährigen Mitgliedschaft: „Aber die geht wieder zurück“, deutet Günter Hennig auf zwei Schreibfehler bei seinem Namen. Das mag er gar nicht. Genauso wie nicht angesagte Richtungsänderungen beim Reisen.

Heute ist Hennig zwar in der Mobilität eingeschränkt, aber mit seinem Skooter kann er mit maximal sechs Kilometern pro Stunde sein Umfeld erkunden. Beim Streetday im letzten Jahr sei er dreimal auf dem Roten Teppich lang gefahren: Morgens, mittags und abends. „Die ganze Straße runter.“

Und zum Schützenfest vor einigen Tagen sei er auch gefahren. „Früher haben wir ja immer geschwoft und waren die ersten auf der Tanzfläche bei Speiel.“ Oder im Sandkrug oder im „Goldenen Hund“ in Winsen. 1967 wurde Günter Hennig Schützenkönig in Wietze. „Insgesamt dreimal Vizekönig und einmal Vogelkönig.“ Die Schützenscheibe liegt sicher und vor Wind und Wetter geschützt im Haus.

Auf seinen Wegen zum Arzt, zur Apotheke oder zur Sparkasse trifft er gelegentlich Nachbarn. „Dann snackt wi ook platt“, bedauert Hennig, dass die Mundart immer weniger gesprochen wird. Da freue es ihn, dass der dunkelhäutige Moderator Yared Dibaba vom NDR-Fernsehen so gut platt spricht. Dibaba ist in Äthiopien geboren und im Oldenburger Land aufgewachsen. „Dat gifft dat nich. Dem sieht man das nicht an.“

Und dann geht der Blick wieder an die Wände im „Schuppen 20“. „Als Dank für Deine Arbeit in der Schießgruppe – Die Sportschützen, 23. 1. 1993“, ist in die kleine Messingtafel graviert, die an den russischen Karabiner geschraubt wurde. „Man hat sich ja jedes Mal gefreut“, klingt es ein wenig stolz. Und die Teller der Gemeinde Wietze, die zur Sportlerehrung ausgehändigt wurden, haben ebenfalls ihre festen Plätze. – Neben dem Urlaubsfoto aus Prag. Und wieder fragt er Uschi nach dem Jahr: Diesmal war es 1999, als beide für ein paar Tage in Prag waren.

Gesund bleiben …Sport treiben. Mach mit … komm zum TSV! (TSV Wietze)