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Dirk Hoppenstedt: Stammzellenspender

„Mit Deiner Hilfe 42 Jahre geworden“
(Von Simon Ziegler, CZ, 22.12.2010)

Es ist wohl das größte Weihnachtsgeschenk, das man Dirk Hoppenstedt machen konnte. Wenige Tage vor dem Fest hat der 29-jährige Wietzer den Mann kennengelernt, dem er für eine Krebstherapie zwölf Millionen seiner Stammzellen spendete. Sein genetischer Zwilling heißt Axel Müller. An Leukämie erkrankt, ist er mit Hoppenstedts Hilfe wieder gesund geworden.

Fotos: Simon Ziegler - Wietzer Stammzellenspender trifft seinen Zwilling

WIETZE. „Ich bin mit Deiner Hilfe 42 Jahre alt geworden“, sagt Axel Müller. Der Wolfsburger sitzt in einem Café in Wietze. Ihm gegenüber ist der Mann, der ihm das Leben gerettet hat. Klingt ziemlich pathetisch, ist aber nichts als die Wahrheit. „Das ist ein sehr bewegender Moment“, sagt Müller, der an Leukämie erkrankt war und Stammzellen von dem Wietzer Dirk Hoppenstedt erhielt.

Das war im Jahr 2008. Begonnen hat die Geschichte schon 2004. Damals entschloss sich Hoppenstedt, sein Blut typisieren zu lassen, als eine große Hilfswelle für einen damals an Blutkrebs erkrankten Jugendlichen anlief. Das Schicksal des Wieckenbergers hatte Hoppenstedt berührt, der als einer der ersten an der Typisierungsaktion teilnahm. Seine Daten wurden in einer Knochenmark-Spenderdatei ge-speichert. Mitte 2008 kam die Nachricht, dass Hoppenstedts Stammzellen für einen anderen Empfänger in Frage kommen. Der Jugendwart der Wietzer Feuerwehr spendete im Dezember 2008 zwölf Millionen seiner Stammzellen für die Krebstherapie des anonymen Empfängers.

Anfang März 2010 erhielt der 29-jährige Wietzer über das Norddeutsche Knochenmark- und Stammzellspender-Register – die Spender-Agentur – einen Brief. Der unbekannte Patient schrieb, dass bei ihm im Dezember 2006 Leukämie diagnostiziert wurde. Aufgrund von Komplikationen bei der Behandlung sei eine Transplantation nötig geworden. „Hierbei kamen Sie dann in mein Leben und ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie sich haben typisieren lassen. Unser gemeinsames Immunsystem funktioniert und wir verstehen uns gut“, schrieb der Mann. „Es wäre schön, den Menschen, der mir das Leben gerettet hat, irgendwann persönlich kennenzulernen“, endete der Brief.

Die beiden hätten sich wohl schon früher getroffen, aber der Gesetzgeber erlaubt ein Treffen Aug’ in Aug’ erst nach zwei Jahren, weil die erste Zeit als kritisch gilt. „Man kann es eigentlich gar nicht in Worte fassen. Ohne Dich wäre ich wahrscheinlich nicht hier“, versucht der Wolfsburger seine Gefühle in Worte zu fassen. Axel Müller, Vater von vier Kindern, ist ein ziemlich lebensfroher Mensch, der inzwischen wieder im Garten- und Landschaftsbau in Wolfsburg arbeitet.

Für den Spender waren die letzten Monate eine ziemlich bewegende Zeit. Er hat seine Freundin Anja geheiratet. Vor vier Monaten wurde Tochter Svea geboren. Dass er jetzt seinem genetischen Zwilling gegenübersitzt, ist mehr als nur die Bestätigung, richtig gehandelt zu haben, als die Frage kam, ob er denn spenden wolle. „Ich finde es ziemlich faszinierend, mit wie wenig Aufwand man ein Leben retten kann“, sagt er. Ein paar Tage musste er Medikamente nehmen, damit das Blut möglichst viele Stammzellen produziert. Dann kam er zur Blutwäsche fünf Stunden an eine Maschine. Das war es.

Gar von einem Wunder spricht Petra Neumann, die vor 16 Jahren den Verein „Wolfsburg hilft“ gründete. Über 5000 Typisierungen hat der Verein seitdem durchgeführt. Es käme nicht oft vor, dass Spender und Empfänger sich nach erfolgreicher Behandlung persönlich kennenlernten. Manchmal ist einfach die Entfernung zu weit (es ist reiner Zufall, dass die beiden so eng beieinander wohnen), viele Patienten lehnen die Treffen auch aus persönlichen Gründen ab.

Neumann: „Bei den beiden passt es wie die Faust aufs Auge.“ Das stimmt wohl. Sie wollen in jedem Fall in Kontakt bleiben.

Wietze hat Energie und hier zu leben, ist goldrichtig!