„Vor Gott und in Wietze ist nichts unmöglich!“ (Otto Meier, ehem. Rektor der Steinförder Schule)

Ehemalige Feldbahnen

Historisches
(aus einem öffentlichen Vortrag von Dr. Susanne Abel anlässlich der Eröffnung der Feldbahn-Gleisanlage auf dem Gelände des Deutschen Erdölmuseums Wietze)

Der Ausschnitt aus einer Feld- und Bohrkarte des Jahres 1918 zeigt auf dem Projektgebiet für das Leader+-Projekt und den südlich angrenzenden Flächen den Verlauf einer Feldbahntrasse auf. Sie ist der Endpunkt eines Trassenverlaufs der an der ehemaligen Raffinerie vorbei über „Schindlers Werk“ an das südliche Allerufer im Bereich der Wietzemündung führte.

Bohr- und Feldkarte 1918 Feldbahnbautrupp ("Teufelsinsel") Feldbahnanschluss am Ölschacht

Aus heutiger Sicht erscheint es durchaus logisch, die verschiedenen Betriebsstätten eines Bohrbetriebes mit einem schienengebundenen Transportmittel zu verbinden, das den kostengünstigen, zeitsparenden und weitgehend ungehinderten Transport von Massengütern, Baustoffen und Rohstoffen ermöglichte. Und dass sich auch schwerste Lasten auf Schienen relativ leicht bewegen lassen, ist keine physikalische Entdeckung der Neuzeit.
Dr. SUSANNE ABEL, ehemalige Leiterin des Deutschen Erdölmuseums Wietze, benennt die Streckenlänge des Feldbahngleisnetzes im Feld Wietze in einem Vortrag zur Eröffnung der Feldbahngleisstrecke im Deutschen Erdölmuseum mit etwa 8 Kilometern, davon ein kleiner Teil an der Aller östlich der Wietzemündung.
Die Unterlagen zur Erarbeitung des zugehörigen Forschungsberichtes erwiesen sich für Dr. ABEL als sehr lückenhaft. Anhand der veränderten heutigen Topografie sind die Verläufe der Feldbahntrassen im heutigen Projektgelände nur noch an einigen Stellen nachvollziehbar.

Bekannt sind Akten und Kartenmaterial im Archiv der Gemeinde Wietze zu einem Genehmigungsverfahren „zum Legen von Gleisen zum Transport von Öl und Material von Werk zu Werk nördlich des heutigen Schwarzen Weges für die Holländische „Maatschappij tot Exploitatie von Oliebronnen“ vom 16. August 1906. In ihnen werden die Genehmigungsbedingungen und die Gebühren für ein Gleis mit einer Spurbreitevon 86 Zentimetern detailliert aufgelistet.

Die Genehmigung enthält die folgenden Bestimmungen:
  • Verlauf: auf nördlicher Seite der Steinbahn, 70 cm davon entfernt
  • zur Erreichung der Nordseite des Weges: zweimalige Kreuzung des Weges an beiden Endpunkten eines Bogens gestattet
  • Erlaubnis auf Widerruf; bei Widerruf Entfernung der Gleise vom Straßenkörper innerhalb von 3 Wochen
  • Streifen zwischen Steinbahn und Gleis von 70 cm ist mit zweiter Sorte Velpker Pflastersteinen zu pflastern; ebenso die ersten 10 m x 70 cm an der Straße in östl. Richtung über die Gleiskurve hinaus, wo das Gleis bei Parzelle 35 durch die Steinbahn gelegt werden muss, in westl. Richtung: 15 m x 4m
Im ff. Angaben zum Verlegen:
  • Unternehmerin hat 200 Mark Kaution an die Gemeindekasse zu zahlen
  • Pflicht zur lfdn. Unterhaltung; Sicherstellung der ungehinderten Überfahrt
  • Unternehmerin zahlt zum 1.1. jeden Jahres 300 Mark an die Gemeinde Wietze für Erlaubnis der Anlage (erste Fälligkeit vor Baubeginn);
  • Genehmigung gilt bis 1.1.1907
Im ff. Regelung bei Einstellung des Betriebs:
  • Steinpflaster geht ins Eigentum der Gemeinde Wietze über bei Entfernung der Schienen, bei Nicht-Zahlung der jährl. Gebühr, bei Widerruf der Genehmigung, nach 4-jähriger Dauer der Genehmigung
  • Spurbreite: 86 cm
  • Befrachtung nur mit Pferdebetrieb.

Wissenswertes über Wietze: Wietze-Infos.de - Wo sonst?