Straßen: Zustandsberichte/frühere Jahre

Straßenzustandsbericht aus früheren Jahren

(von Dr. Erich Bunke aus seinem Buch »Wietze im 20. Jahrhundert«)

Der Zustand der Wege in Wietze ist insbesondere an der Geschichte des Schwarzen Weges beispielhaft abzulesen. Viele Jahre war er ein einsamer Weg und führte entlang der Grenze zwischen den Waldflächen der Wietzer und Hornbosteler Bauern zu den Wiesen im Mündungsgebiet der Wietze.
Im Frühjahr und Sommer trieben die Bauern ihr Vieh den Weg entlang bis zu den Allerwiesen. Im Winter war er Abfahrweg für Holz.

Am 11.07.1899 erbohrte Hasenbein am Rande des Schwarzen Weges im Bereich der "Teufelsinsel" die spritzende, freifließende Ölquelle, die vier Monate hindurch täglich 100 Fass Öl lieferte. Damit wurde Wietze zum Industrieort der Schwarze Weg zum Abfuhrweg für die Ölfässer. Heidesand, Öl, Wasser und Ton bildeten bald einen zähen Brei, in dem die schwer beladenen Wagen nur unter größten Mühen fortzubewegen waren. 1904 nahm sogar die freie Presse (Volksstimme) zu den Wegezuständen in Wietze Stellung und bezeichnete die Wegeverhältnisse als unhaltbar. In diesem Artikel heißt es unter anderem: "Der Zustand der Wietzer Wege ist skandalös, kein Fußweg, keine Rillen für Schmutz und Abwasser. Hinzu kommen aus der Erde ragende Baumstümpfe sowie kreuz und quer laufende direkt auf der Straße liegende Triebwellen (Gestänge für Querantriebe), Es ist als ein Wunder zu bezeichnen, dass so wenige Unfälle zu verzeichnen sind."

Als dann gar Pferde auf diesen Wegen zusammenbrachen, schaltete sich der Celler Landrat ein: "Eine derartige Tierquälerei kann ich nicht länger dulden!"
Doch es besserte sich nicht viel, denn es gab vor 1918 zu viele Bohrfirmen und keine fühlte sich zuständig. Die Realgemeinde in Wietze, der der Weg gehörte, tat nichts, da sie der Meinung war: "Wir haben den Weg nicht zerfahren und ihn auch nicht zur Benutzung für die Ölgesellschaften freigegeben."
Daraufhin erklärte 1905 der Landrat den Schwarzen Weg wie auch die Schachtstraße zu öffentlichen Wegen, doch sie blieben in einem schlechten Zustand und wurden nur in der Hauptsache mit Kohlenasche, dem Abfall aus der Koksverbrennung ausgebessert. Schwere Fahrzeuge mussten mit sechs Pferden transportiert werden. Nach dem Schachtbau wurde die Schachtstraße in 3,50 m Breite mit Steinmaterial ausgebaut, während der Schwarze Weg nur in den ersten 300 m befestigt wurde.

Schachtstraße 1907
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Nur die Durchgangsstraße von Celle nach Schwarmstedt und von Wietze über Hornbostel nach Winsen waren als Kreisstraßen ausgebaut worden.

Wietze hat Energie und hier zu leben, ist goldrichtig!